
Paul Maar
Onkel Alwin und das Sams
192 Seiten, illustriert, Oetinger
Martin Taschenbier ist überglücklich, dass das Sams endlich wieder zurück ist. Vielleicht kann es ja sogar helfen, Onkel Alwin aus Australien wieder loszuwerden, der sich bei Familie Taschenbier einquartiert hat und allen auf die Nerven geht. Es könnte ihn ja einfach fortwünschen! Doch leider sind die Wunschpunkte noch immer im Gesicht des fiesen Sportlehrers Daume und der ist wie vom Erdboden verschluckt. Und das ist nicht das einzige Problem ...
Werbung
Leseprobe
Die große Sams-Versammlung
Das Sams blickte grinsend in die Runde. Es schien so, als hätten sich tatsächlich sämtliche Samse versammelt. Auf einem großen, blau gepunkteten Kürbis saß das Übersams. Es hieß so, weil es schon über zweihundert Jahre alt und somit das älteste Sams in der Runde war. Man konnte es an den zwei Querfalten auf seinem Rüssel erkennen. Solche Falten bekommen Samse frühestens mit zweihundert Jahren.
Die Samse saßen dicht gedrängt in einem weiten Rund. Vier oder fünf waren sogar auf einen Baum gestiegen, um besser sehen zu können. Das Übersams machte eine ernste Miene, rümpfte zweimal den Rüssel und wandte sich an das Sams. »Du weißt, weshalb wir hier zusammengekommen sind?«, fragte es. Das Sams sagte: »Ist doch klar: Ich bin euer Star. Weil ich so lange bei Taschenbiers war.« Alle Samse schüttelten heftig den Kopf. »Viele von uns waren mal bei einem Menschen«, sagte das Übersams. »Das ist nun wirklich nichts Besonderes.«
Alle Samse nickten.
»Hm ...« Das Sams dachte kurz nach. Dann hatte es die Lösung: »Ihr bewundert meinen schönen Anzug. Soweit ich sehe, bin ich hier das einzige Sams mit Taucheranzug.« Voller Stolz fing es an zu singen: »Ja, meine Taucherflossen passen wie angegossen. Meinen Anzug empfehle ich auch. Leider spannt er ein bisschen am Bauch.
Der Reißverschluss, den man hochziehen muss ...« Weiter kam das Sams nicht, denn das Übersams unterbrach es. »Genug!«, rief es. »Halt den Mund! Sei endlich still!« »Das Sams ist still, das Sams ist still, weil das Übersams es will«, reimte das Sams. Einige Samse lachten. »Reimen kannst du immerhin noch«, stellte das Übersams fest. »Aber genügt das?« Einige Samse nickten, aber die meisten schüttelten den Kopf. Ein Sams aus der dritten Reihe rief laut: »Das genügt mitnichten, denn jeder kann dichten!« Das Sams runzelte die Stirn. »Was wollt ihr von mir? Was soll das denn eigentlich hier?«, rief es.
»Wir müssen dir leider mitteilen, dass du nicht mehr hierher gehörst. Verstehst du: Du gehörst nicht mehr zu uns«, sagte das Übersams. Die meisten Samse nickten. »Nicht mehr zu euch? Weshalb denn? Warum denn?« Vor Verblüffung hörte das Sams auf, in Reimen zu sprechen. »Du bist zu menschlich geworden. Du bist nicht mehr samsig. Viel zu unsamsig«, erklärte ihm das Übersams. »Sieh dich doch an!«
Das Sams guckte an sich herunter. »Ja und?«, fragte es. »Du bist viel zu groß. Genauso hoch wie ein Menschenkind. Deine Nase ist kaum noch rüsselig. Und Punkte hast du auch keine mehr«, sagte das Übersams. »Die hat dieser doofe Daume weggewünscht«, verteidigte sich das Sams. »Sie sind auch gar nicht so wichtig«, sagte das Übersams. Was zur Folge hatte, dass die Samse durcheinanderriefen: »Und ob die wichtig sind! Richtig wichtig! Oberwichtig! Sogar überoberwichtig! Wie sollen wir denn Wünsche erfüllen ohne Punkte?«
»Natürlich sind unsere Wunschpunkte wichtig«, beschwichtigte das Übersams sie. »Ich meinte doch: Sie sind nur wichtig, wenn ein Sams zu einem Menschen kommt. Nicht, wenn es zu uns zurückkehrt.« Die Samse beruhigten sich wieder. Das Übersams sprach weiter. »Wir alle finden, dass du zu lange bei den Menschen warst.« Alle Samse nickten.
»Du bist zu menschlich geworden«, sagte das Übersams noch einmal. »Dein langer Besuch dort hat auf dich abgefärbt. Du gehörst einfach nicht mehr hierher. Deshalb bitten wir dich, zurückzukehren zu deinem Menschen und dort zu bleiben.« »Meinst du zu Papa Taschenbier oder zu Martin Taschenbier?«, fragte das Sams.
»Du meinst doch hoffentlich nicht den Daume, die alte Pflaume.« »Habt ihr das gehört, habt ihr das gehört? Das ist es, was uns stört!«, rief eines der Samse. Ein anderes sagte laut: »Es hat nicht nur einen Menschen wie jedes normale Sams, sondern gleich drei!«
»Du darfst wählen, zu wem du zurückkehren willst«, sagte das Übersams. »Na gut, na gut, dann geh ich zu Martin Taschenbier zurück«, rief das Sams. »Das ist mir ganz recht, denn ihr reimt mir zu schlecht. Das ist mir ganz wichtig, denn ihr tickt nicht ganz richtig. Das ist mir ganz lieb ...« Es machte eine Pause. Alle Samse guckten gespannt zu ihm hin. Was reimte sich wohl auf lieb?
Das Sams grinste und sagte: »Das ist mir ganz lieb, denn ihr habt einen Hieb!« Damit streckte es den versammelten Samsen die Zunge heraus, drehte sich um, reckte ihnen den Hintern entgegen und pupste. Die Samse brachen in lautes Gelächter aus, klatschten und pfiffen Beifall. Auch das Übersams musste lachen. »Hm«, machte es. »Du scheinst doch noch ziemlich samsig zu sein. Vielleicht sollten wir noch einmal darüber nachdenken, ob ...« Weiter kam es nicht, denn das Sams war schon verschwunden.
Martin Taschenbier ist überglücklich, dass das Sams endlich wieder zurück ist. Vielleicht kann es ja sogar helfen, Onkel Alwin aus Australien wieder loszuwerden, der sich bei Familie Taschenbier einquartiert hat und allen auf die Nerven geht. Es könnte ihn ja einfach fortwünschen! Doch leider sind die Wunschpunkte noch immer im Gesicht des fiesen Sportlehrers Daume. Ob das Sams sie sich wieder zurückholen kann?
Werbung

